KIT-Archiv      27048 Nachlass Karl Steinbuch     http://www.archiv.kit.edu/104.php?signatur=27048
Provenienz: Karl Steinbuch         Bestandslaufzeit: ca. 1915-2004              12,6 m; 738 Verzeichnungseinheiten
Art des Materials: Akten (v.a. Korrespondenzserien), Sammlungsgut, Publikationen, Tonaufnahmen

Entstehungsgeschichte:
Die im Bestand vereinigten Unterlagen sind ganz überwiegend durch Steinbuch erstellt, an ihn gesandt oder durch ihn zusammengestellt worden. Mitunter ist eine Beteiligung von Mitarbeitern ersichtlich oder in Betracht zu ziehen.

 
Zur Biografie Karl Steinbuchs
Kindheit, Jugend und II. Weltkrieg

Karl Steinbuch wurde am 15.06.1917 als fünftes Kind von Bäckermeister Adolf Steinbuch und Rosa Steinbuch, geb. Nussert, geboren. Er besuchte von 1923 bis 1935 die Oberrealschule in Bad Cannstatt und machte Ende 1935 als Offiziersanwärter Abitur. Vom 01.01. bis 30.03.1936 war er dem Reichsarbeitsdienst in Kirchheim unter Teck zugeteilt. Vom 01.04.1936 bis zum 30.03.1938 leistete er seinen Pflichtwehrdienst, überwiegend beim Infanterie-Regiment 55 in Würzburg. In den Jahren 1937 und 1938 diente er acht Monate lang beim Wachregiment Berlin. 1938 begann er mit dem Studium der Physik an der Technischen Hochschule Stuttgart. 1939 wurde Steinbuch zum Wehrdienst eingezogen, mit einigen Unterbrechungen zugunsten des Studiums. Zuerst war er in Frankreich, später in Russland stationiert, zuletzt als Oberleutnant und Batterieführer. 1941 legte er an der Technischen Hochschule Stuttgart sein Examen als Diplomingenieur ab. 1942 studierte er als Ingenieuroffizier an der Friedrich-Wilhelms-Universität in Berlin. Während eines Fronturlaubes wurde er 1944 an der Technischen Hochschule Stuttgart mit Auszeichnung promoviert. Ab Anfang 1944 war Steinbuch bei der Firma AEG in Berlin mit der Entwicklung von Peilgeräten für die Marine betraut, später an der Torpedo-Versuchsanstalt Eckernförde mit der Entwicklung eines "Ein-Mann-Torpedos".

 
Freie Tätigkeit und Arbeit für die Firma Standard Elektrik Lorenz (SEL)
Nach 1945 war Steinbuch Mitinhaber eines Rundfunkgeschäftes und arbeitete später als freiberuflicher Physiker. Ab September 1948 bis zum Jahr 1958 war er Labor- und Entwicklungsleiter bei der Firma Standard Elektrik Lorenz in Stuttgart. Zuerst entwickelte er Verstärker für Trägerfrequenzsysteme, später verlagerte sich sein Arbeitsgebiet zur elektronischen Vermittlungstechnik. Die wichtigste Entwicklungsarbeit bei SEL war laut Steinbuch der Aufbau des ‚Informatik-Systems' für das Großversandhaus Quelle in den Jahren 1956 und 1957. Während seiner Industrietätigkeit meldete Steinbuch mehrere Dutzend Patente an, darunter das für die "Lernmatrix".
Professur an der Technischen Hochschule bzw. Universität Karlsruhe
Von 1958 bis 1980 versah Steinbuch die ordentliche Professor für Nachrichtenverarbeitung und Nachrichtenübertragung an der Technischen Hochschule Karlsruhe (ab 1967: Universität Karlsruhe (TH)). Gleichzeitig war er Direktor des dortigen Instituts für Nachrichtenverarbeitung und Nachrichtenübertragung. Die Arbeit dieses von ihm aufgebauten Instituts konzentrierte sich im Wesentlichen auf die Probleme der "künstlichen Intelligenz", wie etwa adaptive Systeme (Lernmatrix) und automatische Zeichenerkennung.
Steinbuch hatte 1961 in Moskau und 1964 an der Stanford University eine Gastprofessur. Eine zweite Moskaureise fand 1966 statt. 1980 wurde Steinbuch emeritiert. Aus dem von ihm geleiteten Institut gingen nach Steinbuchs Aussage "400-Diplom-Ingenieure, etwa 80 Doktoringenieure und etwa 20 Professoren hervor".


Erste politische Betätigung
Gegen Ende der 1960er Jahre sympathisierte Steinbuch mit der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Noch 1971 engagierte er sich beratend in der Arbeitsgruppe Forschungspolitik des Bildungspolitischen Ausschusses beim Parteivorstand der SPD. 1972 wechselte er zur CDU. 1969 und 1972 schrieb er in vielen Tageszeitungen abgedruckte offene Briefe an Bundeskanzler Willy Brandt, in denen er diesen aufforderte, für mehr Rechtstaatlichkeit und Vernunft an den Universitäten zu sorgen. An der Universität führte dies zu einer Auseinandersetzung über die politische Betätigung von Hochschullehrern.
Vorsitzender der Forschungskommmission Baden-Württemberg
1982 wurde Steinbuch Vorsitzender der von der Landesregierung eingesetzten Forschungskommission Baden-Württemberg, in die Ministerpräsident Lothar Späth 28 Mitglieder aus Wissenschaft und Wirtschaft berief. Aufgabe der Kommission war die Formulierung von Leitlinien zur weiteren Entwicklung des Landes durch technische Innovation, Technologietransfer von der Wissenschaft in die Wirtschaft und durch Forschungsförderung.


Publizistische Tätigkeit
Steinbuch veröffentliche 15 Bücher, die teilweise in hohen Auflagen erschienen und in mehrere Sprachen übersetzt wurden, darüber hinaus zahlreiche Zeitschriften- und Zeitungsbeiträge. In einem 1984 publizierten Bestseller "Müssen wir mit der linken Lüge leben?" kritisierte er die politischen Ansichten des Schriftstellers Heinrich Böll. Auch in seinem Buch "Kurskorrektur" wandte er sich gegen Auffassungen der politischen Linken. Auch mit Hörfunk- und Fernsehsendungen erreichte Steinbuch ein breites Publikum.
 

Mitgliedschaften

Akademie der Naturforscher Leopoldina
Gesellschaft für Zukunftsfragen (Gründungsmitglied)
Deutsche Gesellschaft für Kybernetik
Société Européenne de Culture
Gesellschaft für übernationale Zusammenarbeit e.V.
Europäische Akademie für Umweltfragen
Freier Deutscher Autorenverein

Auszeichnungen
Deutscher Sachbuchpreis
Wilhelm-Bölsche-Medaille in Gold
Konrad-Adenauer-Preis für Wissenschaft
Jakob-Fugger-Medaille
Verdienst-Medaille des Landes Baden-Württemberg
Gold-Medaille des XXI. Internationalen Kongresses für Luft- und Raumfahrtmedizin


Familie
Karl Steinbuch heiratete am 29.04.1943 Alma Zimmermann (*1915). Diese Ehe wurde am 18.12.1944 geschieden. Am 02.06.1949 heiratete er Hannelore Leitunger (*1926). Aus dieser Ehe gingen die Kinder Bärbel Hanne Steinbuch (verheiratete Huxdorff) und Rolf Karl Steinbuch hervor.

Inhalt: Im Findbuch erscheinen zuerst die biografischen Unterlagen. Diese setzen sich zusammen aus Urkunden und anderen Nachweisen persönlicher Daten wie Auszeichnungen, Dokumenten zu Feiern, Erinnerungsstücken, biografischen Aufzeichnungen (s. aber auch Fragmente autobiografischer Aufzeichnungen in Signaturnr. 435, 523, 594), Taschenkalendern und Notizbüchern sowie Bildmaterial zu privaten und öffentlichen Anlässen.

Die Korrespondenz gibt Aufschluss über Steinbuchs Verbindungen vor allem zu Wissenschaftlern, Industrievertretern, Politikern und Publizisten. Daneben erscheint in beeindruckender Breite das Publikum seiner publizistischen Aktivitäten mit einem weiten Spektrum von zustimmenden bis zu feindseligen Kommentaren. Hervorzuheben ist auch hier der Schriftwechsel mit Bundeskanzler Willy Brandt, der ein lebhaftes Echo an Leserzuschriften hervorrief.

Die Patentunterlagen beleuchten neben technischen Details, dass Steinbuch bei der Firma SEL eine längere kreative Phase hatte, wobei auf die Entwicklung der Lernmatrix schon in dieser Zeit hinzuweisen ist.

Die Unterlagen zur Tätigkeit an der Hochschule setzen sich vor allem zusammen aus Vorlesungsmanuskripten, Schriftwechsel mit Kollegen und Mitarbeitern sowie Schriftstücken zu den in ihrer Zeit herausragenden Reisen nach Moskau. Die Publikationen und Manuskripte machen nicht nur mengenmäßig einen Hauptteil des Nachlasses aus. Hier zeigt sich die ganze Breite von Steinbuchs publizistischer Aktivität, verbunden mit sehr zahlreichen Rückmeldungen in Form von Rezensionen, Medienberichten und Zuschriften. Bemerkenswert groß erscheint die Zahl der Vortragsmanuskripte, die oft mit den Titeln von Publikationen identische oder nur leicht abgewandelte Titel tragen. Auch innerhalb der zum Druck vorgesehenen Publikationen begegnen immer wieder unterschiedliche Beiträge gleichen Titels. Die Tondokumente enthalten zumeist Mitschnitte von Auftritten Steinbuchs als Redner oder Interviewpartner. Nur mit einer Hörkassette zum Buch "Kurskorrektur" liegt hier eine regelrechte Publikation vor (Signaturnr. 741).

Bei den von Steinbuch betreuten und begutachteten Dissertationen handelt es sich zwar nicht um eine vollständige Sammlung, doch dürften die Aufbewahrung der Arbeiten durch Steinbuch und darin enthaltene Widmungen gewisse Rückschlüsse auf seine Verbundenheit mit den Autoren zulassen. Die Unterlagen zu Steinbuchs Beratertätigkeit für Politik und Wirtschaft sowie zu seinen politischen Aktivitäten beleuchten einen Aspekt seines Lebens, der seit den späten 1960er Jahren stetig an Bedeutung gewann und schließlich seine ursprüngliche Rolle als Fachmann für Datenverarbeitung überwog. Die aus der Materialsammlung überlieferten Beispiele illustrieren vor allem Steinbuchs Arbeitsweise und lassen bei genauerer Betrachtung womöglich Urteile über Spektrum und Qualität der von ihm herangezogenen Quellen zu.

Klassifikationsübersicht:

1. Persönliche Dokumente
1.1 Urkunden und andere Nachweise persönlicher Daten
1.2 Taschenkalender und Notizbücher
1.3 Auszeichnungen
1.4 Feiern und Erinnerungsstücke
1.5 Bildmaterial
1.5.1 Portraitaufnahmen
1.5.2 Öffentliche Ereignisse und andere Veranstaltungen
1.5.3 Familie und Privates
1.5.4 Sonstige Motive
2. Korrespondenz
2.1 Allgemeine Korrespondenz, alphabetisch nach Korrespondenzpartnern geordnet
2.1.1 Institutskorrespondenz
2.1.2 Privatkorrespondenz
2.2 Nach Bezug geordnete Korrespondenz
2.2.1 Sachbetreffe
2.2.2 Personen und Institutionen, allgemein
2.2.3 Schriftwechsel mit dem Seewald-Verlag bzw. Busse-Seewald Verlag
2.2.4 Leser, Hörer- und Zuschauerzuschriften
3. Patente

4. Tätigkeit als Wissenschaftler und Hochschullehrer

4.1 Allgemeines

4.2 Lehre
4.2.1 Lehrveranstaltungen
4.2.3 Betreute und begutachtete Dissertationen
4.3 Tagungen
5. Eigene Publikationstätigkeit

5.1 Drucke von Beiträgen in Zeitschriften und zu Monografien
5.2 Drucke von Reden und kleinen Schriften ohne Verlag oder ohne Zuordnung zu einem Verlag
5.3 Manuskripte
5.3.1 Serien nummerierter Zusammenstellungen in zeitlicher Folge
5.3.2 Mit Jahreszahlen versehene Zusammenstellungen
5.3.3 Sonstige
5.4 Funk- und Fernsehprojekte
5.5 Gesprochene Beiträge in Tondokumenten
6. Beratungstätigkeit und politische Betätigung
6.1 Politikberatung zu Wissenschaft, Technologie, Kommunikation und Zukunft
6.2 Politik im Allgemeinen und Sonstiges
7. Mitgliedschaft in Verbänden und Organisationen
8. Sammlungen
8.1 Zeitungsausschnitte, auch eigener Beiträge, in zeitlicher Folge
8.2 Rezensionen eigener Schriften
8.3 Thematische Zusammenstellungen


Archivgut mit ähnlichem Bezug:   KIT-Archiv:

21001 Hochschulverwaltung, 369, 762, 765, 766, 1109, 2371
21005 Pressestelle, 9
21011 Personalakten, 766
22008 Fakultät für Maschinenbau, 126
22010 Fakultät für Elektrotechnik, 55
23022 Institut für Nachrichtenverarbeitung
27061 Nachlass Wolfgang Ruppel, 3
28002 Biografische Sammlung, 463
28020 Sammlung Institute, 8


Literatur:
Biener, Klaus: Karl Steinbuch - Informatiker der ersten Stunde. Hommage zu seinem 80. Geburtstag. In: RZ-Mitteilungen, Nr. 15, Dezember 1997, S. 53f.
Hilberg, W.: Karl Steinbuch, ein zu Unrecht vergessener Pionier der künstlichen neuronalen Systeme, In: Frequenz 49 (1995), S. 28-35.
Nippert, Klaus: Zur Gründung der Karlsruher Fakultät für Informatik, In: Zur Geschichte der Karlsruher Fakultät für Informatik, hg.v. dems., 2007, S. 7-70, bes. S. 15-24, 31.

 

27001 Nachlass Karl Strubecker

27002 Nachlass Theodor Pöschl

27003 Nachlass Franz Wolf

27004 Nachlass Hans Wondratschek

27007 Nachlass Bruno Vollmert

27008 Nachlass Hans Musso

27009 Nachlass Rudolf Criegee

27010 Nachlass Carl Engler

27011 Nachlass Werner Heimann

27012 Nachlass Ludwig Klein, Botanische Schautafeln

27013 Nachlass Rudolf Metz

27014 Nachlass Simon Moser

27015 Nachlass Adolf Friedrich

27016 Nachlass David Müller

27017 Nachlass August Twele

27018 Nachlass Adolf Bayer

27019 Nachlass Klaus Lankheit

27020 Nachlass Jakob Stambach

27021 Nachlass Friedrich Raab

27022 Nachlass Heinrich Merkel

27023 Nachlass Friedrich Engeßer

27024 Nachlass Max Mayer

27024 Nachlass Walter Stieß

27025 Nachlass Theodor Rehbock

27026 Nachlass Paul Böss

27028 Nachlass Bernhard Goerg

27029 Nachlass Georg Benoit

27030 Nachlass Otto Kraemer

27031 Nachlass Rudolf Plank

27035 Nachlass Werner Rotthauwe

27036 Nachlass Eike Hutter

27037 Nachlass Kurt von Sanden

27038 Nachlass Hans Jungbluth

27039 Nachlass Karl Kollmann

27042 Nachlass Rudolf Friedrich

27044 Nachlass Emil Kirschbaum

27045 Nachlass Rudolf Günther

27046 Nachlass Hans Rumpf

27048 Nachlass Karl Steinbuch

27049 Nachlass Joachim Teichmüller

27050 Nachlass Paul Schulz

27051 Nachlass Siegfried Nahrgang

27052 Nachlass Hans Blohm

27053 Nachlass Rudolf Henn

27055 Nachlass und Sammlung Hans und Karl Bunte

27056 Nachlass Wilhelm Leutzbach

27058 Fotografischer Nachlass Wilhelm Paulcke

27059 Nachlass Otto Lehmann und Karl Otto Lehmann

27060 Nachlass Alfred Stock

27061 Nachlass Wolfgang Ruppel

27062 Nachlass Gerhard Krüger

27064 Nachlass Johannes Weissinger

27065 Nachlass Ernst Terres

27066 Nachlass Walther Peter Fuchs

27067 Nachlass Otto Ammann

27069 Nachlass Horst Wettstein

27070 Nachlass Peter Deussen

27071 Nachlass Winfried Görke

27072 Nachlass Carl Weltzien